Kurze Geschichten
An dieser Stelle möchte ich immer mal eine kleine Geschichte veröffentlichen, von denen Ihnen ja vielleicht die eine oder andere gefällt.
Am Heiligenabend, oder der 24.12
Eigentlich stellen wir uns Weihnachten ja immer gleich vor: Der Baum wird geschmückt, die Plätzchen sind fast alle fertig, bis auf die ganz besonders guten, die auch dieses Jahr wieder einmal nicht gelingen wollen; aber wir verzeihen es uns auch in diesem Jahr, denn es gibt ja genügend andere, von denen uns dann sowieso wieder schlecht wird. Aber wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, der Baum! Eine Tanne, eben ein Tannenbaum, obwohl es ja dann doch wieder eine Fichte ist, denn Tannen sind ja kaum zu bezahlen! Wieso? Ach wir haben noch nicht erwähnt, das wir ja im sonnigen Süden, sprich in Spaniens Süden, noch genauer an der Costsa Calida leben. Hier kostet eine Tanne ein Vermögen, Holz ist in diesem Land sehr teuer! Darum ist unsere Tanne auch aus verrottungssicherem Kunststoff und somit in jedem Jahr zu Weihnachten wieder einsatzfähig.
Schon wieder schweifen wir ab. Also die Plätzchen, der Baum, die Kugeln hängen, die Krippe ist fast vollständig aufgebaut. Wo ist bloß der Josef hingekommen, nein nicht der Nachbar, der angelt, damit es Silvester Fisch gibt. Früher Vogel fängt den Fisch, äh, den Wurm. Schon wieder vom Thema abgekommen! Der Josef, da ist er ja! Der von der Krippe. Das Telefon!! Wer ruft denn jetzt um diese Zeit schon an? Wer hat denn jetzt Zeit? Wären wir ran gegangen hätten wir es erfahren, zu spät, schon aufgelegt.
So, jetzt steht der Josef da wo er hingehört, zusammen mit seiner ganzen Heiligen Familie und dem Esel, dem Ochsen und mittlerweile ist auch noch ein Hirte mit einem Schäfchen dazu gekommen. Fertig!
Jetzt können wir erst einmal ein wenig ausruhen, haben wir gedacht, aber der erste Test der Lichterketten hat einen Kurzschluss erzeugt. Ach ja, unsere bessere Hälfte föhnt sich die Haare. So viel Belastung hält das spanische Stromnetz nicht aus und schon gar nicht zu Stoßzeiten wie diesen am Heiligenabend. Mal eben 10 Minuten gewartet und schon erstrahlt der Baum und alles andere natürlich auch im hellen Lichterglanz.
Wir haben uns eine pause verdient, wir machen ein kleines Mittagsschläfchen. Schön! Das Telefon... Dieses Mal sind wir schneller. Die Familie, die daheim gebliebene möchte uns eine schöne Bescherung wünschen. Am heller lichten Nachmittag!! Aber sei es drum, wir sind wieder eingeschlafen.
Nach einem ausgiebigen Schläfchen arbeitet es sich noch mal so gut. Was war noch zu tun? Genau im Garten liegen noch die Überreste vom Adventsgesteck, bisschen Staubsaugen wäre auch nicht schlecht und die Katze hat schon einige Male vorwurfsvoll in ihren Futternapf gesehen.
Nun muss es schnell gehen! Kaffe trinken, schnell zwei drei Plätzchen, von denen die was geworden sind und dann schnell die guten Klamotten an und hurtig in die Kirche. Man will ja nicht auffallen, so nach dem Motto: Wo seid ihr den in diesem Jahr gewesen? Von wegen keine Zeit, die Ausrede gibt es nicht, schon gar nicht beim Kirchgang am Heiligenabend. Außerdem kann man ja dort so herrlich entspannen und den Tag Revuepassieren lassen.
Haben wir den Ofen ausgestellt, nach dem wir den Braten heraus genommen haben? Türen sind hoffentlich alle abgeschlossen. Schlüssel? Ja, Hosentasche, Telfon?... Auweia, da klingelt es schon wieder! In der Kirche, am Heiligenabend, genau an der Stelle an der es so furchtbar still ist. Falsch verbunden! Verzeihung! Ja, das hilft uns jetzt auch nichts mehr. Die strafenden Blicke haben uns schon erreicht.
Der Gottesdienst ist dann ohne Unterbrechungen unsererseits zu ende gegangen. Nach hause! Schnell! Den Braten aus dem Rohr, der Herd war tatsächlich aus. Die Knödel ins Wasser und den Rotkohl noch einmal warm machen. Ach wie das gut richt! Jetzt kann dann Weihnachten werden.
Das Essen war köstlich. Der Baum brennt, natürlich nur die Kerzen, die künstlichen und die Krippe strahlt auch in weihnachtlichem Glanze. Alles wie immer! Alle Jahre wieder ... Die Geschenke können wir nun auch endlich auspacken, nicht viel, wir haben es uns ja wie immer versprochen, nur eine Kleinigkeit !!
Ach wie hübsch! Das habe ich mir schon immer gewünscht. Ja, der neue DVD-Player, gab es noch ganz kurzfristig bei Aldi, für kleines Geld. Der musste es dann doch noch sein.
Ein Blick zum Weihnachtsbaum und in die friedliche Runde. Es ist doch schön hier! Fast wie zu hause. Was ist denn nun? Sparbeleuchtung! Alles licht ist um die Hälfte dunkler geworden und der neue gerade angeschlossene DVD-Player leiert vor sich hin. Dunkel!! Stille!!
Oh, dieses spanische Stromnetz!! Totalausfall, nichts geht mehr und das am Heiligenabend. Aufgepasst, wo haben wir denn die Kerzen? Diesmal aber bitte die richtigen. Ach ja in der Schublade für den Ernstfall, dort sind sie deponiert, falls mal der Strom ausfällt. Wir brauchen viele Kerzen hier and der Küste. Gut Kerzen sind gefunden. Wo aber ist denn nur das Feuerzeug? Seit dem wir nicht mehr rauchen , ist es nie da wo es immer war, nämlich in den Hosentasche, da ist nur das kleine Taschenmesser aus der Schweiz. Nützt jetzt aber nichts, nützt gar nichts! Verdammt! Wer hat seine Schuhe genau in den Weg gestellt? Ach war ich ja selber, weil ich in der Kirche so kalte Füße bekommen hatte.
Da das fühlt sich an wie ein Feuerzeug. Ja, Kerze an, nach dem dritten Versuch! Jetzt ist richtig Weihnachten, so wie es früher einmal war, bei Kerzenschein und Plätzchen. Komisch, es passt schon wieder etwas hinein, nach dem Braten!
Um uns herum herrscht hektisches Treiben. Die Nachbarn wollen wissen ob deren Nachbarn denn auch keinen Strom haben. Eigentlich eine überflüssige Frage, wenn es doch bei denen genauso dunkel ist wie bei einem selbst.
Telefon!! Wieso geht das Telefon? Ach ja, weil es ein Funktelefon ist, genau und weil am anderen Ende schon wieder die Daheimgebliebenen dran sind. Wie geht's? Gut gespeist? Wie sind die Plätzchen. Habt ihr unser Päckchen bekommen? Ja, wir können alles positiv beantworten. Uns geht es phantastisch am Heiligenabend. Nur von dem totalen Stromausfall, von dem erzählen wir nichts. Wäre doch zu peinlich, wenn wir ihnen sagen müssten, das wir ausgerechnet am Heiligenabend und auch noch die halbe Nacht ohne Strom im Dunkeln gesessen hätten.
Ostern in Spanien
Das Fest der Feste - Semana Santa, auf deutsch Ostern! Wer jetzt der spanischen Sprache mächtig ist, merkt sofort: Es handelt sich um eine "heilige Woche", die schon weit vor Ostern anfängt, es ist ein wenig verschieden, je nach dem in welcher Provinz man sich befindet. Hier bei uns am Mar Menor, merkt man daran dass die Osterwoche naht, wenn überall ausgiebig sauber gemacht wird. Wenn es dann sauber ist, wird alles noch wieder schön gestrichen.
Jetzt kann Ostern kommen. Und es kommt! Am Gründonnerstag, so sagt man wohl in Deutschland, treffen jede Menge reiselustige Leute ein. Aus Madrid, Cartagena, Granada, na eben aus allen Himmelsrichtungen. Das Wetter ist hier dann schon so schön, dass man die Zeltsaison beginnen kann.
Dieses wird dann auch ausgiebig genutzt! Mit anderen Worten: In unserer Umgebung wird es voll und lauter! Wenn nämlich eine normale spanische Familie ein Zelt aufstellt, ist das mit reichlich akustischer Untermalung verbunden. Meist verbaler Art, denn die Schnur für den Strom haben sie meistens zu hause vergessen. Also Radio, Fernseher und so weiter kommen erst am zweiten Tag, bzw. dann wenn die Geschäfte wieder öffnen. Manchmal hilft auch ein eifriger oft deutscher Nachbar, (leider)! Das merkt er dann erst später, aber dann ist es zu spät, denn das Radio, ein ständiger Begleiter, bei allem was so zu tun ist, beginnt seinen Dienst.
Auch wenn kein Radio schreit ist der Geräuschpegel mehr als angemessen, denn wie gesagt: Eine ganze Anzahl Personen, angefangen von dem jüngsten bis zum ältesten Familienmitglied, beginnen ein normales Zelt aufzustellen. Einfach! Weit gefehlt!
Klirr! Aus dem großen Beutel rutscht ein Zelt, mehrere Stangen, Häringe und nein, Bänder und der Hammer sind nicht dabei. Diskussionsbedarf. Lautstark muss nun herausgefunden werden, wer denn diese wichtigen Utensilien daheim vergessen hat. Nach einer ausführlichen Unterhaltung kommt man zu dem Schluss, vergessen hat die niemand, sie waren einfach nicht dabei. Macht nichts! Spanier sind sehr erfinderisch. Aus jeder für uns recht ausweglosen Situation macht er immer noch das beste daraus. Improvisation ist alles!
Am späten Nachmittag steht das Zelt. Alle sind restlos erschöpft und es muss erst einmal etwas gegessen werden. Paellapfanne, Gasflasche und Feuerring alles da. Wo ist denn der Schlauch. Ach, der orange halbe Meter. Den hat doch der kleine Pacco zum spielen gehabt. Stimmt! Aber wo ist er jetzt.
Keine Sorge sie haben ihn wieder gefunden, den Pacco und den Schlauch. Ein durchdringender Knoblauchhauch verrät uns la Mama hat von ihren Kochkünsten seit dem letzten Jahr nichts verlernt.
Nanu, Ruhe! Ach so, sie essen. Sprechen und essen zur gleichen Zeit geht ja nicht. Jedenfalls nicht so gut. Auf der nächsten Parzelle sind sie schon weiter. Man klärt den Abwasch, der natürlich viel besser mit etwas Musikuntermalung von statten geht. Opa möchte aber lieber Fernsehen. Auch kein Problem, da macht man den Apparat einfach etwas lauter!
Irgendwann, unsere zarte Seele leidet doch schon sehr, zumal der Sohn des Hauses, in diesem Fall des Zeltes, ein Fan von andalusischer Volksmusik ist. Das ist das Grauen pur, für den normalen Mitteleuropäer jedenfalls. Der einheimische liebt diese Musik, was er natürlich durch rhythmisches Mitklatschen demonstriert.
Unsereiner ist begeistert. Es ist Zeit, einen ausgiebigen Spaziergang zu machen. Endlich allein mit sich und Hund in der wunderschönen spanischen Natur.
Wir kommen zurück, ein Wunder! Ja, es ist ja bald Ostern! Alles still. Siesta! Wunderbar. Nur der Hund hat es nicht verstanden. Freudig bellend erobert er seinen angestammten Platz im Garten. Ach, hätten wir doch nur eine Katze!
Da sie ja nun schon mal wach sind, vollenden sie dann auch ihr Bauwerk vom Vormittag. Kurz bevor es dunkel wird, ist alles fertig. Wir auch! Wir beschließen den anstrengenden Tag mit einem guten Glas Roten und freuen uns auf unsere wohlverdiente Nachtruhe.
Nachtruhe! - Das Wort kommt im spanischen Vokabular irgendwie überhaupt nicht vor. Jetzt wo doch alles fertig ist und auch die Nachbarn endlich fertig sind, ist es an der Zeit, schon mal eine kleine Fiesta zu feiern. Wohlgemerkt eine kleine, denn es ist ja noch nicht Ostern, leider!
Anderswo im Land haben schon die Osterprozessionen begonnen. Man muss es mal gesehen haben, denn sonst weiß man ja nicht, was man in Zukunft lieber verpassen möchte.
Ganz kurz: Es beginnt immer Abends Dunkle Gestallten mit hohen spitzen Hüten, so wie eine umgekehrt aufgesetzte Schultüte, wanken durch die Straßen, begleitet von einer dermaßen schrägen Musik, dass einem Angst und Bange wird. Wenn die Blechbläser dann mal still sind und man glaubt, man hat es fast überstanden, wird eintönigst getrommelt. Meistens gehen wir dann immer nach hause. Es ist besser für uns, wirklich!
Ja, so vergehen die Tage bis Ostersonntag. Wir haben uns schon fast daran gewöhnt, denn immerhin leben wir ja schon eine ganze Weile hier. Aber es ist doch jedes Jahr aufs neue eine kleine Herausforderung, die dann am Montag nach Ostern, also für normale Mitteleuropäer Ostermontag, ganz plötzlich mit der Abreise aller Beteiligten endet. Der Montag ist hier in Spanien ein ganz normaler Arbeitstag. Auch richtig so, denn die hatten ja schon die ganze Woche vorher gefeiert und irgendwann muss sich auch ein Spanier mal ausruhen.
Wir unsererseits freuen uns auf den Sommer!
 
Schon wieder gewonnen, - oder Fortuna mag uns
In diesem Jahr hatten wir
uns vorgenommen, uns zu Weihnachten einmal gar nichts zu schenken. Wir waren zu
dem Schluss gekommen, dass wir in diesem Jahr schon genug Geld ausgegeben
hätten. So sollte es also nun sein.
Es ist ein schönes Gefühl zu
wissen, dass man nicht in den Trubel, den es kurz vor Weihnachten in den
Geschäften gibt, hinaus zu müssen. Wir konnten uns also ganz auf die Adventszeit freuen. Den Duft von frisch
gebackenen Plätzchen in uns aufnehmen, oder am Nachmittag, wenn es dunkel
geworden ist, die Kerzen an unserer Weihnachtspyramide anzünden. So haben wir
die stille Zeit vor dem Fest richtig genossen und wie jedes Jahr, das eine oder
andere Kilo zugenommen. Aber das hat uns eigentlich auch nicht gestört.
Mit viel Muße haben wir
unseren kleinen Tannenbaum ausgesucht und uns schon einmal vorgestellt, wie er
wohl mit unserem traditionellen, schon recht alten Baumschmuck aussehen würde.
Der Heilige Abend kam immer
näher und am Morgen dieses Tages, wir waren gerade dabei, den Baum ins
Wohnzimmer zu stellen, kam der Briefträger mit unserer Post. Normalerweise
steckt er die Post immer in den Briefkasten, am Heiligen Abend ist das anders, denn er weiß, dass er dann von uns 5,
-DM bekommt. Die muss er sich natürlich selbst abholen und sich auch
überschwänglich bedanken, in weiser Voraussicht, dass er im nächsten Jahr auch
wieder seine Zuwendung bekommt.
Wie gesagt, wir nahmen
unsere Post und seine besten Wünsche entgegen und zogen uns wieder in die warme
Wohnung zurück. Alles wie immer; ein ganzer Stapel Reklame, ein paar
Spendenaufforderungen und einige weihnachtliche Grüße von Bekannten und
Freunden. Nach dem ersten Sortieren blieb ein Brief ohne Zuordnung. Wir sahen
uns beide an. Von wem ist denn der? Keine Ahnung, wir konnten uns nicht
erinnern. Es hatte etwas mit Kosmetika zu tun. Nun, jeder der uns kennt weiß,
dass wir beide nicht zu der Sorte Mensch gehören, die sich dauernd mit
irgendwelchen Cremes und Parfums einbalsamieren.
Nach einer Weile fing es bei
mir aber an zu dämmern. Da war doch irgendwann mal so ein Preisausschreiben
gewesen. Man konnte eine Kreuzfahrt gewinnen und jede Menge Duftwässerchen. Die
Frage war einfach, wie immer bei solchen Preisausschreiben, denn eigentlich
geht es den Firmen ja nur um Adressenmaterial. Also hatte ich 1, - DM geopfert
und die Karte abgeschickt und wie immer auch alles gleich wieder vergessen,
denn man gewinnt ja sowieso nicht.
Nun lag aber dieser Brief
auf dem Tisch und sollte uns vom Gegenteil überzeugen. Nachdem ich die ersten
Zeilen überflogen hatte, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Da stand
schwarz auf weiß, dass wir eine 16 Tägige Kreuzfahrt auf der MS Astor gewonnen
hätten. Die Schiffsreise sollte uns von Nizza durch das Mittelmeer und dann durch
die Straße von Gibraltar an Westeuropas Küsten entlang bis nach Bremerhaven
bringen, und das Ganze zur besten Reisezeit und ganz umsonst.
Nun waren wir platt. Das ist
ja der Wahnsinn. Wir wollten uns nichts zu Weihnachten schenken und bekamen nun
ein Geschenk, in einem Wert von 8.000, - DM. Wer hätte das gedacht.
Das Glück ist mit die
Dummen, so sagt man doch. Meine Güte müssen wir dumm sein, denn das ist jetzt
schon das zweite Mal, dass wir beide etwas gewonnen haben. Der erste Gewinn
liegt nun schon einige Jahre zurück, aber auch da waren die Umstände ganz
ähnlich.
Meine bessere Hälfte war
damals in einem Baumarkt einkaufen und als sie wieder zu ihrem Auto wollte,
goss es in Strömen. Sie hatte dann beschlossen noch ein wenig im Baumarkt herum
zu bummeln. Dabei ist ihr aufgefallen dass der ganze Laden ein bestimmtes Motto
hatte, nämlich Mallorca. Fliesen, Kacheln, Farbe, alles im südländischen Stil
und auch ein Preisausschreiben. Man brauchte nur die Karte mit der richtigen
Antwort, natürlich eine ganz einfache, in einen Pappbriefkasten werfen und
schon konnte man gewinnen. Eine Woche Mallorca alles
Gesagt, getan, vergessen. –
Bis – ja bis meine
Kolleginnen eines Morgens in der Praxis anfingen zu nörgeln. Von wegen eine
tolle Reise gewinnen und keinen Sekt mitbringen. Die einzige die an diesem
Morgen noch keine Zeitung gelesen hatte war offensichtlich ich. Meine
Kolleginnen hielten mir die Tageszeitung unter die Nase und da stand tatsächlich, unübersehbar, im
Heimatteil, das Frau Elke Schrader, aus Jelmstorf, eine einwöchige Reise nach
Mallorca gewonnen hätte, für zwei Personen. Ich habe es nicht geglaubt und
wollte gleich zu Hause anrufen, doch da war besetzt. Mittlerweile hatten andere
Bekannte auch die Zeitung gelesen und haben gleich bei uns zu Hause angerufen.
Ja, so ist das bei uns mit
dem Glück. Wo ist eigentlich die Post von heute, da war doch so ein Brief
dabei....
 
Acht Löcher und ein Mundstück
Zu Weihnachten habe ich eine Flöte bekommen. Mancher mag sich fragen, was ein 45 jähriger Mensch mit einer Blockflöte macht. Zu Anfang habe ich mich das auch gefragt, aber bald wurde mir mein Flötchen recht vertraut.
Eigentlich gehört meine ganze Liebe ja den Blechblasinstrumenten, genauer der Trompete. Dieses Instrument habe ich auch ganz gut beherrscht. Gelernt habe ich zu aller erst Jagdhorn zu blasen. Das ist einfach, denn es hat überhaupt keine Ventile. Anschließend kam dann die Trompete, die hat drei Ventile, das heißt man spielt sie mit drei Fingern: Zeigefinger, Mittel - und Ringfinger. Da kann man sich nicht viel vertun.
Aber nun. Ein etwa 20 cm langes Stück Holz mit vielen Löchern drin. Die meisten davon oben auf und eins von unten. Gut jeder Mensch hat acht Finger und zwei Daumen, normaler Weise jedenfalls. Die Flöte hat wie gesagt acht Löcher, wovon eins auf der Rückseite sitzt, also unter der Blockflöte. Warum heißt die Blockflöte eigentlich so? Das muss ich auch noch herausfinden. Jetzt bleiben wir erst einmal bei den Löchern. Soviel habe ich schon bei meiner Nichte gesehen, die spielt nämlich Blockflöte und gar nicht so schlecht, obwohl sie erst sieben Jahre alt ist. Man muss mit den Fingern die Löcher zuhalten. Acht Finger, sieben Löcher, ein Finger bleibt übrig, aber welcher. Von unterwärts ist auch noch ein Loch offen. Das kann der Daumen, vernünftiger Weise der, der linken Hand, denn ich habe mich entschlossen: linke Hand die Löcher, die dem Mundstück am nächsten sind, rechte Hand die anderen vier Löcher etwas weiter unten. Daraus ergibt sich, dass der Daumen der linken Hand das Loch auf der Rückseite zuhält. Alle anderen Varianten haben sich als nicht praktikabel erwiesen.
Gut, die Finger wären verteilt. Jetzt in das Mundstück hinein blasen. Ach du meine Güte, was für ein furchtbarer Ton. Obwohl, alle Löcher halte ich zu, dachte ich jedenfalls. Die Kunst beim Flöte spielen ist offenbar, die Löcher mit den Fingerkuppen so zu zuhalten, das keine Luft mehr entweichen kann. Neuer Versuch, schon besser. Der Ton der jetzt heraus kommt klingt schon eher nach einem "C", dem tiefen Ton "C" wohlgemerkt. Also, alle Löcher zuhalten macht ein tiefes "C". Aus welchem Grund auch immer, fällt mir das Lied "Alle meine Entchen" ein. Das muss daran liegen, dass bei dem Lied der erste Ton ein "C" ist und es dann auf der Tonleiter immer einen Ton höher geht. Eben, "Al - le mei - ne Ent - chen".
Aber immer nur Alle meine Entchen, ist auf Dauer auch nicht sehr erhebend. Also, weiter experimentieren. Es ist wirklich nicht so einfach, das kleine Ding aus Holz sieht so simpel aus, aber es hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. So nach und nach bin ich aber hinter das Geheimnis der Blockflöte gekommen. Mittlerweile klappt es schon ganz gut und wenn mich meine Nichte wieder einmal besucht, dann können wir bestimmt schon etwas gemeinsam auf unseren Blockflöten musizieren.
 
Cindy
Darf ich mich zuerst einmal vorstellen:
Mein Name ist Cindy. Genauer Cindy vom Ackerrain. Nein ich bin keine adelige, blaublütige, frisierte Pudeldame. Ich bin ein Rauhaardackel, und was für einer. Normalerweise schwärmt man ja nicht über sich selbst, aber schließlich möchte ich ihnen ja von mir erzählen.
Dann fange ich mal an. Angefangen hat alles ziemlich merkwürdig, wenn ich mich recht entsinne liegt das auch schon über 11 Jahre zurück. Ich habe noch fünf Geschwister, das heißt drei Brüder und zwei Schwestern. Die haben alle den gleichen Nachnamen, und die Vornamen fangen auch alle mit "C" an. Bei uns reinrassigen Rauhaardackeln muss das so sein.
Zu Anfang waren wir auch immer alle zusammen bei Muttern im Korb und es hat feine Milch gegeben. So nach acht Wochen wurde es anders. Wir kamen alle samt ins Auto und dann sind wir erst einmal eine Weile gefahren. Mir persönlich hat die Fahrt nichts ausgemacht, aber zwei von meinen Geschwistern haben gar nicht gut ausgesehen. Mama war ja dabei und da habe ich mir gedacht, ist alles in Ordnung. Aber als uns dann einem nach dem anderen mit so einer Zange ins Ohr gezwickt wurde, da war der Spaß vorbei. Ich für meinen Teil habe meine kleinen spitzen Zähne ausprobiert und dem Mann, in den grünen Sachen, erst einmal tüchtig in die Hand gebissen, damit er mal merkt wie es wehtut, wenn man gezwickt wird. Seine Ohren konnte ich leider nicht erreichen, die waren zu weit oben. Das mit dem tätowieren, so nennt man es, wenn man in die Ohren gezwickt wird, habe ich auch bald wieder vergessen. Was sein muss, muss eben sein.
Die nächste Zeit war recht spannend. Dauernd sind Leute zu uns gekommen und wenn sie wieder gegangen sind, waren wir wieder einer weniger im Korb. Auch das ist in Ordnung, denn schließlich haben meine Menschen ja eine Hundezucht. In der Fachsprache heißt das Zwinger. An dieser Stelle kann ich ja auch gleich mal meinen Nachnamen erklären. "Vom Ackerrain", das ist also mein Nachname. Genauer gesagt ist er der Zwingername und das ist so, weil unser Zwinger direkt an einen Acker angrenzt. Daher der Name Ackerrain. Gerufen werde ich natürlich nur mit meinem Vornamen, aber dazu kommen wir später.
Nach ein paar Tagen waren meine Geschwister alle verkauft. Ich brauchte mir da gar keine Sorgen zu machen, denn ich habe meiner Mutter so ähnlich gesehen, dass ich auf jeden Fall bleiben sollte, denn wenn man gut aussieht ist das schon mal ein großer Vorteil beim Hundezüchten.
Also, ich sehe wirklich gut aus, ich bin rot-blond, wie meine Mutti. In der Fachsprache sagt man natürlich nicht rot-blond, da heißt es hell-saufarben. Aber ich finde rot-blond irgendwie viel schöner, das hat so etwas gewisses, na sie wissen schon.
Nachdem ich aus dem Wurf, ach schon wieder ein Fachausdruck. Wurf heißt, alle die Hunde die mit mir zusammen geboren wurden, also alle meine Geschwister. Nachdem nun alle aus meinem Wurf verkauft waren, fing für mich auch so langsam der Ernst des Lebens an.
Von wegen Ernst, es hat ja soviel Spaß gemacht. Meine Menschen haben mit mir gespielt. Die haben einen kleinen Ball weggeworfen und ich durfte ihn finden und damit herumtollen. Jedenfalls habe ich gedacht, dass es so sein sollte. Nach einer ganzen Weile habe ich dann gemerkt, dass ich den Ball nicht für mich zum Spielen finden sollte, nein, die wollten den Ball selber wieder haben. Eigentlich auch komisch, erst werfen sie das Bällchen weg, dann finde ich es und muss es gleich wieder zurück bringen. Das könnten die Menschen eigentlich auch selber machen. Aber nein, wir haben es immer und immer wieder geübt. Am Anfang bin ich dabei ganz durcheinander gekommen, denn sie haben dabei immer Cindy! - Apport! gerufen. Dabei heiße ich doch Cindy vom Ackerrain.
Ja die Sache mit meinem Namen ist mir zu Anfang so wieso nicht ganz klar gewesen. Ich bekam so viele Namen, dass ich fast vergessen hätte, wie ich denn eigentlich heiße. Mal haben sie mich "Pfui" gerufen, dann hieß ich wieder "Aus", oder "Sitz". Als sie dann meinten ich sollte "Platz" heißen, habe ich nicht mehr mitgemacht. Mal ehrlich, " Platz" ist doch kein Name für einen Hund und schon gar keiner für einen Hund wie mich.
Natürlich weiß ich mittlerweile, dass das alles Anweisungen für mich waren. "Pfui" habe auch bald nicht mehr gehört, das war nur zu Anfang, wenn mir mal ein klitzekleines Missgeschick passiert war. Bald wusste ich natürlich dass mein Pipi nicht auf den Teppich im Wohnzimmer gehört, sondern nach draußen, in den Garten. Bei "Sitz" wollten meine Menschen, dass ich mich nur hinsetze. Das war einfach. "Platz", ja das mache ich bis heute nicht. Nein, ich will einfach nicht.
Als kleiner Welpe, ja ich weiß schon wieder so ein Wort. Ein kleiner Hund heißt eben Welpe. Als eben dieser, muss man eine Menge lernen. Bei meinen Menschen hat es aber immer richtig viel Spaß gemacht.
Die Sache, wo man hinter einem Hasen herrennen darf, die hat mir sehr gut gefallen. In Fachkreisen heißt die Spurlautprüfung. Der Name kommt daher, weil man der Hasenspur laut bellend, hinterher laufen soll. Vor dieser Prüfung kommt noch etwas, da habe ich mich doch erschrocken, aber es hat keiner gemerkt: Die Schussfestigkeitsprüfung. Da stellt sich ein Jäger mit einer Flinte hin und schießt einfach so in die Luft. Das gibt einen Knall, mein lieber Mann. Aber wie gesagt, ich habe das cool gemeistert.
Im Laufe von einem Jahr habe ich eine Menge gelernt, es war prima. Irgendwann hatten meine Menschen dann eine neue Idee. Ich sollte neben dem Fahrrad herlaufen. Das wollte ich auch nicht. Es ist ja auch gemein, die sitzen auf dem Drahtesel und ich muss, obwohl ich von Hause aus so kurze Beine habe, neben dem Rad herlaufen. Nein, das möchte ich auch nicht. Nie!
Ja, man muss sich seine Menschen schon richtig erziehen, damit sie funktionieren. Das war eine meiner leichtesten Übungen. Wissen sie, ich habe da so einen gewissen Blick, der uns Dackeln eigen ist. Was soll ich sagen der klappt immer, egal was gerade ansteht, z.B. bei Regen nach draußen gehen. Einfach den Dackelblick aufsetzen und schon kann man drinnen bleiben.
So sind die Jahre vergangen. Ich habe viele kleine Hundebabys zur Welt gebracht, das hat mir immer sehr gefallen. Man kann die Kleinen verwöhnen, sie ablecken und saubermachen, na ja eben all die Mutterpflichten. Mir haben sie eben immer besonders gefallen. Meine Menschen wissen auch, dass ich immer eine prima Mutter war. Mittlerweile bin ich für das Kinderkriegen zu alt, denn ein guter Zuchtdackel darf nur bis zu seinem 8 Lebensjahr belegt werden. Das muss ich jetzt hoffentlich nicht auch noch erklären.
In jungen Jahren bin ich auch immer gern mit zu Jagd gegangen. Es war prima durch den Wald zu stöbern und hier und da mal in die Fuchsbaue zu schauen. Füchse, das ist wieder ein Stichwort. Das Jagen unter der Erde, also im Bau, muss als Dackel richtig gelernt werden, obwohl Dackel ja Erdhunde sind, denn sie buddeln besonders gern in der Erde. Die Baujagd ist aber nicht nur einfach so buddeln, nein hier wird professionell gearbeitet. Dazu sind wir immer zu einem Übungsbau gefahren. Da war der Fuchs in einem Kunstbau, will heißen, der Fuchs kann uns unerfahrenen Hunden nichts tun. Erst wenn man alles richtig gelernt hat und so mutig ist wie ich, dann darf man im Wald richtig nach Füchsen suchen. Einen Nachteil hat die Sache: hinterher rieche ich nicht sehr gut, um es genauer zu sagen: Füchse stinken. Damit ich dann wieder zu Frauchen auf das Sofa darf, muss ich immer baden. Das ist fein, das Wasser ist warm und hinterher abtrocknen, mit einem kuscheligen Tuch, einfach herrlich.
Wo ich gerade so schön ins Schwärmen gekommen bin. Eine andere Leidenschaft von mir sind Katzen. Wenn ich Katzen sehe, dann kann ich mich kaum noch beherrschen. Diese flinken kleinen Dinger, die einem die Mäuse wegfressen, die muss ich einfach jagen. Manchmal kriege ich auch schon mal die eine oder andere zu fassen. Na dann gibt es ein Knäuel! Meine Menschen haben das immer gar nicht so gern, denn es ist immer eine Katze im Haus gewesen. Man stelle sich das einmal vor, in einem Hundehaushalt, und dann eine Katze. Meine Menschen haben alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen, damit ich die Mieze nicht kriege, aber hin und wieder ist es mir dann doch gelungen. Dann gab es immer wieder das gleiche Spiel: Hund hängt an Katze, Mensch schnappt sich Hund und taucht das ganze Gespann in die Regentonne. Blödes Spiel! Immer muss ich Luft holen und dabei natürlich die Katze loslassen. Ich glaube meine Menschen haben sich die ganze Sache so ausgedacht.
Übrigens, verreise ich auch sehr gern. Wir haben ein großes Auto, in dem meine Menschen dann auch schlafen, das ist ein Reisemobil. Oh, wir haben schon tolle Fahrten damit gemacht. Mittlerweile habe ich auch eine Tochter. Na ja, ich hatte viele Töchter, aber diese durfte ich behalten. Wahrscheinlich war es da genauso wie bei mir damals. Meine Menschen fanden sie sieht genau so aus wie ich. Da haben sie sich aber doch geirrt, denn ich bin schließlich rothaarig und meine Tochter, die heißt übrigens Linde, ist dunkel-saufarben. Nur manchmal, dann sehen wir uns ähnlich, nämlich dann, wenn unsere Menschen uns gerupft haben. Ja, ich habe es mir gedacht. Natürlich nicht wie bei einem Huhn. Man rupft den Dackel, damit er nicht so ausgefranst aussieht. Es kommen nur die losen Haare ab und es tut auch nicht weh.
Wie war ich denn auf meine Tochter gekommen? Genau, durch das Reisemobil und die tollen Fahrten damit. Mein Töchterchen findet fahren gar nicht so gut wie ich. Die muss immer die ganze Zeit dasitzen und die Wolken zählen. Die kennt schon den ganzen Himmel in halb Europa, das sagen jedenfalls meine Menschen. Ich, für meinen Teil lege mich auf meine Kuscheldecke und schlafe und wenn ich dann aufwache, sind wir wieder irgendwo anders, wo es gut richt. Nur wenn wir wieder nach hause kommen, das merke ich immer von ganz allein, dann muss ich mich furchtbar freuen und ganz viel bellen.
Linde ist eine prima Tochter, ich bestimme was gemacht wird; und Linde widerspricht kein bisschen. Manchmal muss ich dann noch etwas nachdrücklicher werden, damit sie weiß, wo der Hase lang läuft. Das sieht dann so aus, dass ich ein wenig böse gucke, nur ein ganz bisschen, das reicht dann schon. Wenn ich nicht mehr lebe, übernimmt sie meine Position, die wird ihr dann von mir vererbt.
Ja, so ist das Leben unter Hunden. Man hat viel zu tun, bis der Mensch richtig funktioniert. Der Mensch denkt, glaube ich, genau so. Alles in allem haben wir aber immer ein sehr gutes Auskommen mit einander.
Jetzt bin ich eine alte Dame geworden und das Leben ist geruhsamer. Eigentlich mache ich nur noch was mir richtig Spaß macht. In der Sonne dösen, das ist zum Beispiel so eine spaßbringende Tätigkeit. Es ist nicht anstrengend und man kann es stundenlang tun, sofern die Sonne scheint natürlich. Wenn es regnet kuschele ich dann eben auf dem Sofa, auf Frauchens Fell.
Ach, nein! Mein Frauchen hat eine prima weiche Haut und die richt immer so gut nach Creme. Das Fell ist von einem Schaf, glaube ich, und liegt auf dem Sofa. Manchmal liege ich auch mit Frauchen auf dem Sofa, dann kuscheln wir uns richtig ein und wenn sie möchte, gebe ich ihr ein Küsschen. Das haben wir geübt, denkt mein Frauchen. Aber das hätte ich auch von ganz allein gemacht, weil ja mein Frauchen so gut riecht.
Ach, übrigens, das habe ich ja noch gar nicht erwähnt: Ich habe zwei Frauchen, aber die beste ist eben die, die mit mir immer so schön kuschelt.
 
Die Geschichte von den Hundehaaren
Seit einiger Zeit überwintern wir in Spanien, auf einem Campingplatz, zusammen mit vielen anderen Gleichgesinnten; und wir fühlen uns rundherum wohl. Das Wetter hier ist wie bei uns im Sommer, nur ohne Regen und die Menschen sind alle herrlich unkompliziert. Man hat eben Urlaub, Langzeiturlaub. Es gibt nichts, was uns aus der Ruhe bringt und aufregen, nein aufregen tun wir uns schon gar nicht. Nein, wir nicht!
Aber, es gibt da eine Sache, die so manchen altgedienten Camper oder dessen Frau, völlig aus dem Ruder laufen lässt. Der deutsche Campingfreund entwickelt sich zum Spießer, dem Erbsenzähler, so wie wir ihn doch alle kennen. Der Holländer verliert seine stoische Art und der Engländer macht sowieso was er will. In diesem Falle tut er das mit der Waschmaschine. Der auf jedem guten Campingplatz befindlichen Waschmaschine.
Was tut der Engländer aber nun so unmögliches mit der Waschmaschine, dass den Rest der Campingplatzbewohner, außer den Spaniern, denn die haben alle eine eigene Waschmaschine, so fassungslos macht.
Ganz einfach: Er wäscht mit ihr! Es wirft sich die berechtigte Frage auf, was man denn sonst mit einer Waschmaschine machen soll, außer mit ihr zu waschen. Ja, das Waschen an sich ist für den Rest der Platzbewohner nicht der Stein des Anstoßes. Der Stein liegt ganz wo anders, nämlich in der Trommel der Maschine, und ist auch kein Stein, sondern Hundehaare. Genau, Hundehaare. Das Wort hat hier auf diesem Campingplatz eine ganz besondere Wirkung. Jedes Mal, wenn irgendjemand sich mit einem Korb voller Schmutzwäsche der Waschmaschine nähert, wobei es egal ist aus welcher Richtung und welcher Nation, außer der Englischen, hören wir, denn unser Stellplatz ist der am nächsten zum Waschhaus gelegene, das Wort Hundehaare. Hundehaare, das klingt wie eine Warnung, oder eine Drohung, so wie eine dunkele Wolke liegt das Wort Hundehaare über dem Waschhaus. Ja, es ist nicht übertrieben, das Wort Hundehaare liegt wie ein Fluch über der Waschmaschine und es vergeht kaum ein Tag, an dem Hundehaare nicht ausgesprochen wird.
Jetzt wird man sich, und nicht zu unrecht, fragen was es denn mit den Hundehaaren so auf sich hat. Was haben eine spanische Waschmaschine, die nebenbei bemerkt nur ein Kaltwaschprogramm besitzt, mit internationalen Hundehaaren zu tun? Die Frage ist berechtigt, aber bitte nicht zu laut, sonst geht die Diskussion gleich wieder los. Es wird Zeit, die Sache aufzuklären.
Also: Engländer besitzen Hunde, mindestens zwei. Holländer haben überhaupt keine Tiere, denn die machen Schmutz. Der Deutsche hat Hund oder Katze, und meistens auch nur eines von jeder Art, Ausnahmen betätigen auch hier diese Regel.
Was hat diese Feststellung nun aber mit dem Waschen von Wäsche zu tun? Ganz einfach, Engländer waschen ihre Decken von ihren Hunden in der Wachmaschine, abends im Dunkeln, wenn es keiner sieht, (aber erzählen sie es niemandem) denn eigentlich ist das ja nicht sehr schön, wenn man bedenkt, dass anschließend, am nächsten Morgen, wenn es jeder sieht, ein Holländer seine eigentlich noch ganz saubere Wäsche in der Maschine waschen möchte. Natürlich wäscht er nicht, denn erst einmal muss ausgiebig über Hundehaaren gesprochen werden, die man mit vollen Händen aus der Waschmaschine holen kann.
Seit ein paar Tagen hängt ein DIN A 4 Blatt an die Pinwand, über der Waschmaschine, auf dem zu lesen ist, natürlich in allen erforderlichen Sprachen, dass das Waschen von Hundedecken in der Waschmaschine verboten ist.
 
Camping und weglassen!
Kaum zu glauben, wir machen jetzt schon fast 7 Jahre Camping. Na ja, eigentlich wohnen wir auf einem Campingplatz. Schicker formuliert wir leben in Spanien in einem Ressort. Das Camping kann man ja weglassen. Weglassen ist hier sowieso sehr verbreitet.
Als erstes lässt man hier den Nachnamen weg. Als nächstes das Sie. Man nennt sich also beim Vornamen. Beispiel: Tach Kurt! Aufgefallen? Schon wieder was weg gelassen. Was? Zuerst das Guten und dann das Hochdeutsche. Nach einiger Zeit in Spanien lässt man dann auch die deutsche Sprache weg, jedenfalls bei den Einheimischen, die verstehen einen ja sowie so nicht. Manchmal auch besser so! Es gibt da so Spezies, die könnte man eigentlich ganz weglassen. Nicht das man sich aufregt: Das lassen wir hier auch weg, meistens jedenfalls.
Ganz was anderes zum gleichen Thema - weglassen: Hundekacke! So viel Hundesch... (gemerkt, schon wieder was weggelassen) wie hier in unserem Ressort, habe ich selten gesehen. Die Liste würde sich noch lange fortsetzen lassen, aber das lasse ich jetzt auch mal weg und kümmere mich mal um Sachen, die mich nichts angehen.
Also Nachbarn! Nun guck mal an, haben die doch schon wieder einen neuen Wohnwagen. Wo nehmen die bloß das Geld dafür her, schließlich ist das Vorzelt auch neu. Macht ja sonst auch keinen Sinn, denn das neue Eigenheim auf Rädern ist ja auch gleich 2m länger! Guck mal, wie sie alle gucken! Neid, nein niemals, sollen die doch sehen wie sie zurecht kommen. Wir, wir schieben das Teil nicht mit rein. Das gibt es ja jetzt nicht: Das fährt ja ganz von allein. Na nicht ganz! Kurt muss die Fernbedienung beherrschen. Müsste! Beule! Siehste!!
Das wäre uns nie passiert, oder wenn doch dann nicht in aller Öffentlichkeit. Schadenfreude? Nein solche Neigung liegt uns ganz fern.
Hast du gesehen, gestern hat der doch wieder seine Mülltüte am Weg abgestellt. Wer? Ja weiß ich jetzt auch nicht so genau, aber der macht immer so was. Das hätte man jetzt wieder weg lassen können, womit der Kreis sich langsam schließt.
Was wir auf jeden Fall weglassen ist das Gerede über andere Leute, jedenfalls so lange diese in unmittelbarer Nähe sind. Wenn die dann um die nächste Ecke sind ist das ja ganz was anderes. Sag mal hast du gesehen wie die Frau von dem da vorne, ja der der immer so viel über andere redet, rumläuft. Also bei der Figur da würde ich ja... Genau, das sage ich ja auch immer.
Gestern haben die Kinder angerufen. Haben schon wieder schlechtes Wetter in Deutschland. Bei uns regnet es auch schon seit 2 Tagen. Das haben wir denen aber nicht gesagt. Das lassen wir weg!
Weglassen ist doch eine feine Sache, oder nicht? Am besten hätte ich diese kleine Geschichte auch weg gelassen, oder?